Landesverband Oberösterreich
ÖWR Kurzruf 130

Die Unterwassersuche nach dem Hl. Nepomuk

 
11.05.2019 Dolni Vltavice, Moldaustausee
Am 11.05.2019 suchten TaucherInnen der Tschechischen und Österreichischen Wasserrettung gemeinsam nach einer Statue des Heiligen Nepomuk im Lipno-Stausee.
 
Mehrere EinsatztaucherInnen starteten die Unterwassersuche am 11.05.2019  in der Nähe des Tschechisch-Österreichischen Ausbildungszentrums der Wasserrettung in Dolni Vltavice. Begleitet wurde das Ereignis von einem bunten Rahmenprogramm an Land mitRettungsvorführungen, Musik und einer ausführlichen Präsentation der Suche. Auch eine Augenzeugin von damals berichtete über die Ereignisse, als Marodeure und Kommunisten die Statue aus einer Kapelle von 1725 knapp nach dem 2.Weltkrieg in den Fluss warfen, als die vorwiegend deutschstämmige Bevölkerung aus dem Dorf vertrieben wurde. Die alte Frau hatte das Abbild selbst im Fluss liegen sehen, bevor sie bei der Flutung durch den Staudamm in den späten 50ziger Jahren zur Gänze im Wasser verschwand.
 
Der heilige Nepomuk ist nicht nur in Tschechien einer der wichtigsten Heiligen im Bewusstsein der Bevölkerung, auch in Österreich gilt er als Schutzpatron der Schiffer und Flößer und ist als „Brückenpatron“ auf zahlreichen Flussübergängen abgebildet.
 
Besondere Herausforderung für die Suche sind die sehr geringen Sichtweiten im Moldaustausee, die trotz des reinen Wassers durch Trübungen und Sedimente entstehen. Auch mit starken Tauchlampen beträgt die Sicht teilweise nur wenige Zentimeter.
 
Die Tschechische Wasserrettung hatte die Suche durch Verlegung von Unterwasser-Leinen sehr gut vorbereitet. Dadurch war das Suchgebiet in ungefähr 10 Meter Tiefe im Bereich der ehemaligen Brücke, von der noch vereinzelt die Pfeiler erkennbar sind, in einzelne Sektoren unterteilt.
 
Leider wurde der Aufwand an diesem Tag nicht belohnt. Die Statue blieb im Wasser der Moldau verschwunden und teilt das Schicksal mit seinem historischen Vorbild.
 
Text: Martin Eberl
 
 
 
Johannes aus Pomuk, der heilige Johannes Nepomuk in Böhmen, wurde um das Jahr 1350 als Sohn eines Richters Welfin geboren. Im Jahre 1370 war Nepomuk Kleriker des Prager Erzbistums und Notar des erzbischöflichen Gerichtes. Im Jahr 1380 war er Priester am Prager Dom. Nepomuk studierte Kirchenrecht an der Prager Universität und holte sich in Padua das Doktorat im Kirchenrecht. Seit dem Jahre 1389 war Nepomuk Generalvikar des Erzbischofs von Jenzenstein.
 
Dann geschah es: am 20. März 1393 wurde Johannes Nepomuk mit zwei weiteren Geistlichen (N. Puchnik und W. Knobloch) durch König Wenzel gefangengenommen. Was war geschehen? Wir wissen es bis heute nicht genau. Die zeitgenössischen Quellen geben keinen Grund für das Strafgericht des gewalttätigen und unbeliebten Königs an. Man kann als sicher annehmen, daß es sich um eine Art "Amtsgeheimnis" handelte. In der Kaiserchronik, die vierzig Jahre nach dem Tod des heiligen Johannes Nepomuk geschrieben wurde, steht zu lesen: Nepomuk war der Beichtvater der Königin. König Wenzel wollte erfahren, was seine Frau dem Priester unter dem Siegel des Beichtgeheimnisses anvertraut hatte. Doch Johannes wahrte das Geheimnis - trotz grausamer Folter.
 
Schließlich ließ König Wenzel den treuen und verschwiegenen Priester Johannes Nepomuk von der Moldaubrücke in den reißenden Fluß stürzen und auf diese Weise ermorden. Dies geschah in der Nacht zum 20. März - auf Befehl König Wenzels IV.
 
Johannes Nepomuk wurde, nachdem man seinen Leichnam geborgen hatte, im Dom zu Prag bestattet. Als man - es war im Jahre 1719 - sein Grab öffnete, war die Zunge des Toten unverwest. Der heilige Johannes Nepomuk gilt als "Märtyrer des Beichtgeheimnisses" bis heute, selbst wenn man heute nicht sicher weiß, ob er überhaupt Beichtvater der Königin war.
Quelle: https://johann.loefflmann.net/de/articles/nepomuk.html

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